Regional Dialogues: 1997
Die Sakramente (Mysterien) der Eingliederung in die Kirche

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Die Sakramente (Mysterien) der Eingliederung in die Kirche (1997)

Eine Handreichung

Nach orthodoxer und katholischer Überzeugung ist die Eingliederung in die Kirche (christliche Initiation) ein Ganzes, das mit der Taufe beginnt und durch die Einsalbung und die Eucharistie vollendet wird.

  • Durch die Taufe empfängt der Mensch Nachlass aller Schuld. Er wird neu geboren aus dem Wasser und dem Heiligen Geist. Er wird Glied am Leibe Christi und gehört damit zum Volk Gottes.
  • Durch die Firmung bzw. Myronsalbung wird er besiegelt mit der Gabe des Heiligen Geistes.
  • Durch die Heilige Eucharistie wird die Gliedschaft am Leibe Christi vollendet. Der Christ wird auf dem Weg zum ewigen Leben immer wieder durch sie gestärkt.

Diese gemeinsame Überzeugung hat unterschiedliche liturgische Gestalt gefunden. 

Nachdem die Kommission im Blick auf das grundlegende Mysterium der Kirche eine Handreichung „Die Eucharistie der einen Kirche: Liturgische Überlieferung und kirchliche Gemeinschaft” vorgelegt hat, soll hier auf die beiden anderen Sakramente der Eingliederung in die Kirche eingegangen werden.

Gemeinsam glauben wir:

  • die Taufe ist notwendig zum Heil,
  • die Taufe ist Neugeburt aus dein Heiligen Geist,
  • die Taufe schenkt neues Leben und befreit von der Sünde,
  • die Taufe verbindet mit Christi Tod und Auferstehung,
  • Taufe schenkt eine innige Verbindung zur Heiligsten Dreifaltigkeit,
  • die Taufe gliedert in den Leib Christi, die Kirche, ein.

Wegen der Bedeutung der Taufe bejahen und praktizieren beide Kirchen die Kindertaufe. Sie sehen in ihr den üblichen Weg der Eingliederung in das kirchliche Leben.

Aus demselben Grund ist in beiden Kirchen ist auch eine Nottaufe durch einen Laien (z. B. in Todesgefahr) möglich, ja geboten.

Die Feier der Taufe in der römisch-katholischen Kirche

Vorbereitung

  • Taufgespräch mit den Eltern und Paten
  • Katechumenat bei den Erwachsenen

I. Aufnahme des Katechumenen

Empfang des Täuflings und seiner Begleiter an der Kirchentür. Der Priester (Diakon) geleitet sie in die Taufkapelle oder zu einem anderen Ort in der Kirche.

Befragung der Eltern und Paten

Welchen Namen haben Sie N. gegeben? Was erbitten Sie von der Kirche Gottes für N.? – Die Taufe

Liebe Eltern! Sie haben für Ihr Kind die Taufe erbeten. Damit erklären sie sich bereit, es im Glaubenzu erziehen. Es soll Gott und den Nächsten lieben lernen, wie Christus es uns vorgelebt hat. Sind Sie sich dieser Aufgabe bewusst? – Ja

Liebe Paten! Die Eltern dieses Kindes haben Sie gebeten, das Patenamt zu übernehmen. Auf Ihre Weise sollen Sie mithelfen, dass aus diesem Kind ein guter Christ wird Sind Sie dazu bereit? – Ja

Ermahnung der Eltern und Paten

Lesung einer oder mehrerer Taufperikopen u. a. Röm 6,3-5; Mt 28,18-20

Homilie

Bezeichnung mit dem Kreuzzeichen

N., mit großer Freude nimmt dich die christliche Gemeinde auf. In ihrem Namen bezeichne ich dich mit dem Zeichen des Kreuzes.

Nach mir werden auch deine Eltern und Paten dieses Zeichen Christi, des Erlösers, auf deine Stirn zeichnen.

Fürbitten

Mit Anrufung der Heiligen, besonders der Namenspatrone des Kindes und der Eltern.

Drei Exorzismusgebete (zur Auswahl)

Herr, allmächtiger Gott, du hast deinen eingeborenen Sohn gesandt und durch ihn den Menschen, die in der Sünde gefangen waren, die Freiheit der Kinder Gottes geschenkt.

Wir bitten dich für dieses Kind. Du weißt, dass es in dieser Welt der Verführung ausgesetzt sein wird und gegen die Nachstellungen des Teufels kämpfen muss.

Entreiße es durch die Kraft des Leidens und der Auferstehung deines Sohnes der Macht der Finsternis.

Stärke es mit deiner Gnade und behüte es allezeit auf dem Weg seines Lebens durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Gebet zur Erleuchtung des Katechumenen

Dreimaliges Anhauchen und Besiegelung der Stirn, des Mundes und der Brust mit dem Kreuzzeichen

Absage an das Böse bei Hinwendung nach Westen

Anschließen an Christus bei Hinwendung nach Osten

Salbung mit Katechumenenöl (vom Bischof geweiht)

Glaubensbekenntnis (von Nizäa-Konstantinopel)

Es stärke dich die Kraft Christi, des Erlösers. Zum Zeichen dafür salben wir dich mit dem Öl des Heiles in Christus, unserem Herrn, der lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen

Gebet vor der Taufe

II. Der Taufgottesdienst

Weihe des Taufwassers

Lobpreis Gottes und Anrufung des Heiligen Geistes über das Wasser

…Es steige hinab in dieses Wasser die Kraft des Heiligen Geistes, dass alle, die mit Christus in seinem Tod hineinbegraben sind durch die Taufe, mit ihm auferstehen zum ewigen Leben. Amen.

Absage der Eltern und Paten an der Bösen

Glaubensbekenntnis der Eltern und Paten.

Anschließend Glaubensbekenntnis aller Anwesenden (Apostolikum)

Taufe durch dreimaliges Übergießen des Hauptes oder auch durch Untertauchen:

N., ich taufe dich im Namen des Vaters (erstes Eintauchen oder Übergießen)

und des Sohnes (zweites Eintauchen oder Übergießen)

und des Heiligen Geistes (drittes Eintauchen oder Übergießen)

Das Haupt des Kindes wird mit Chrisam gesalbt

Der allmächtige Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, hat dich von der Schuld Adams befreit und dir aus dem Wasser und dem Heiligen Geist neues Leben geschenkt. Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt; denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit. Amen.

III. Myronsalbung – Firmung

Bei der Erwachsenentaufe folgt hier anstelle des obigen Gebetes und der Chrisamsalbung die Firmung durch den Bischof oder den beauftragten Priester.

N., sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.

Epistellesung (Röm 6,3–11)

Evangelium (Mt 28,16–20)

IV. Abschließende Riten und Gebete

Überreichung des weißen Kleides

Gebete nach der Salbung

Übergabe der brennenden Kerze

Sie wird an der Osterkerze angezündet und einem der Eltern oder dem Paten überreicht:

Empfange das Licht Christi

Effata – Ritus

Gemeinsames Vaterunser

Segnung der Mutter, des Vaters, des Paten (der Patin), der Geschwister, der Verwandten und aller Anwesenden

V. Kommunion des Täuflings

Bei der Taufe von Erwachsenen kommuniziert der Täufling in der Eucharistiefeier, in die in der Regel die Tauffeier eingeordnet ist.

Die Feier der Taufe in der orthodoxen Kirche

Vorbereitung

  • Gebet am ersten Tag nach der Entbindung
  • Besiegelung des Kindes mit dem Kreuzzeichen und Namengebung am achten Tag
  • Segnung der Mutter und Einführung des Kindes in die Kirche am vierzigsten Tag
  • Katechumenat bei den Erwachsenen

I. Aufnahme des Katechumenen

Empfang des Täuflings und seiner Begleiter im Vorraum der Kirche (Narthex)

Der Priester entkleidet den Täufling und stellt ihn – mit nur einem Gewand bekleidet – gegen Osten auf, haucht ihm dreimal in das Angesicht, bekreuzigt ihn dreimal, legt die Hand auf sein Haupt und spricht das Gebet zur Aufnahme eines Katechumenen

... der würdig wurde, zu deinem (Gottes) Heiligen Namen sich zu flüchten und unter dem Schutz deiner Flügel bewahrt zu werden ...

Schreibe ihn in das Buch deines Lebens und vereinige ihn mit der Herde deines Erbes ...

Drei Exorzismusgebete

Gebet zur Erleuchtung des Katechumenen

Dreimaliges Anhauchen und Besiegelung der Stirn, des Mundes und der Brust mit dem Kreuzzeichen

Absage an das Böse bei Hinwendung nach Westen

Anschließen an Christus bei Hinwendung nach Osten

Glaubensbekenntnis (von Nizäa-Konstantinopel)

Gebet vor der Taufe

II. Der Taufgottesdienst

Anfangssegen

Friedensbitten mit speziellen Bitten für das Taufwasser und den Täufling

Stillgebet des Priesters

Weihe des Taufwassers

Lobpreis Gottes und Anrufung des Heiligen Geistes über das Wasser

... Du selbst also, menschenliebender König komm auch jetzt durch die Herabkunft deines Heiligen Geistes, und heilige dieses Wasser! Und gib Ihm die Gnadengabe der Erlösung, den Segen des Jordans, mache es zur Quelle der Unverweslichkeit, zum Geschenk der Heiligung, zur Ablösung der Sünden ...

Weihe des Katechumenenöls

Gebieter, Herr, Gott unserer Väter, ... segne du selbst auch dieses Öl mit der Kraft und Wirksamkeit und dem Überkommen deines Heiligen Geistes, damit es zur Salbe der Unverweslichkeit werde, zur Waffe der Gerechtigkeit ...

Salbung des Täuflings an Stirn, Brust, zwischen den Schulterblättern, an Ohren, Händen und Füßen

Taufe mit dreimaligem Untertauchen bei Hinwendung nach Osten:

Getauft wird der Knecht/die Magd Gottes N. N. im Namen des Vaters, Amen; und des Sohnes, Amen; und des Heiligen Geistes, Amen. 

Gesang des Psalms der Buße (Ps 31[32])

Anziehen des Lichtgewandes

Gewähre mir das Lichtgewand, der du dich umkleidest mit Licht wie mit einem Gewand, erbarmungsvoller Christus, unser Gott!

III. Myronsalbung – Firmung

Gebet für den „Neuerleuchteten“:

... Du selbst nun, Gebieter, barmherziger Allherrscher gewähre ihm/ihr auch die Besiegelung der Gabe deines heiligen, allwirksamen und anbetungswürdigen Geistes und den Empfang des heiligen Leibes und kostbaren Blutes deines Christus ...

Anschließend salbt der Priester den Täufling in Kreuzesform mit dem heiligen Myron (Chrisam) an Stirn, Augen, Nasenflügeln, Mund, Ohren, Brust, Händen und Füßen indem er jedes Mal spricht:

Siegel der Gabe des Heiligen Geistes. Amen.

Der Priester schreitet mit dem Taufpaten und dem Täufling dreimal rings um das Taufbecken:

Alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen, Alleluja (dreimal)

Epistellesung (Röm 6,3–11)

Evangelium (Mt 28,16–20)

IV. Abschließende Riten und Gebete

Gebete nach der Salbung

Gebieter, Herr, unser Gott ... lege auf ihn deine starke Hand ... behüte ihn, dass er ein unbesiegbarer Kämpfer bleibt...

Gebete bei der „Tonsur“ mit Handauflegung

Herr, unser Gott, ... segne dieses Kind, und dein Segen komme auf sein Haupt herab ..., schauen möge es das Glück Jerusalems alle Tage seines Lebens ...

Entlassungsgebet

V. Kommunion des Täuflings

Auch bei der Kindertaufe erfolgt die Kommunion des Täuflings hier bzw. bei der nächsten Eucharistiefeier.

Auch bei der Kindertaufe erfolgt die Kommunion des Täuflings hier bzw. bei der nächsten Eucharistiefeier.

Die liturgische Praxis

Die Taufe spendet der Bischof oder der Priester.

In der katholischen Kirche kann auch der Diakon im Auftrag des zuständigen Pfarrers die Taufe spenden (Can 530,1).

Die Taufe als „Bad der Wiedergeburt“ geschieht mit Wasser (Eintauchen bzw. Übergießen). In der orthodoxen Kirche wird die Taufe grundsätzlich durch Eintauchen vollzogen.

Auch in der katholischen Kirche gilt: „Die Taufe durch Eintauchen ist besser geeignet, die Teilnahme an Tod und Auferstehung Christi auszudrücken“ (Ordo initiationis christianae Nr. 22). Doch wird diese sowohl an Kleinkindern wie auch an Erwachsenen meist durch dreimaliges Übergießen (Besprengen genügt nicht!) gespendet.

Neben den Eltern kommt den Paten eine besondere Mitverantwortung in der christlichen Erziehung zu. Deshalb muss der Pate der jeweils eigenen Kirche angehören und seinen Glauben bekennen. In der katholischen Kirche kann ein orthodoxer Christ als zweiter Pate mitwirken.

Die orthodoxe Kirche kennt nur einen Paten. Seine Bedeutung wird dadurch unterstrichen, dass er das Kleinkind zum Empfang der Kommunion trägt.

In der orthodoxen Kirche findet die Myronsalbung bei Kindern wie bei Erwachsenen direkt im Anschluss an die Taufe statt. Die erste heilige Kommunion des Täuflings erfolgt unmittelbar danach bzw. bei der nächsten Göttlichen Liturgie.

In der katholischen Kirche wird diese althergebrachte Reihenfolge im Allgemeinen nur bei der Erwachsenentaufe eingehalten: Bei Kindern folgt jedoch im Anschluss an die Taufe mit Wasser eine Salbung mit Chrisam, die zum Ausdruck bringt, dass die Taufe Teilhabe am Heiligen Geist ist.

Die Firmung wird erst im Unterscheidungsalter des Kindes/Jugendlichen durch den Bischof bzw. durch den von ihm beauftragten Priester gespendet. Durch die feierliche dreimalige Absage der Firmlinge an den Bösen und durch das dreimalige Bekenntnis des Glaubens (persönliche Erneuerung der Taufgelübde) wird die Verbindung der Firmung zur Taufe deutlich gemacht.

Zeitlich dazwischen erfolgt in der römisch-katholischen Kirche in der Regel die „Erstkommunion“, bei der das Kind vor der Gemeinde dem Bösen absagt und den Glauben bekennt (Taufgelübde).

Jedes Jahr werden alle Gläubigen eingeladen, gemeinsam in der Osternacht die Taufgelübdeerneuerung zu vollziehen.

Die unterschiedliche Praxis wirft Fragen auf, die noch einer Klärung bedürfen.

Folgerungen für die pastorale Praxis und das gemeinsame Zeugnis beider Kirchen

Umkehr und Glaube sind Vorbedingungen der Taufe. Sie gehören wesentlich zusammen.

  • Das erfordert ein besonderes Katechumenat vor der Erwachsenentaufe.
  • Bei der Taufe von Kleinkindern ist das „Taufgespräch” mit Eltern und Paten vor der Taufe darum besonders wichtig.
  • Eine besondere Hinführung auf die Taufe geschieht in der orthodoxen Kirche durch Namengebung am 8. Tag und die Segnung am 40. Tag nach der Geburt. Die Taufe begründet einen Lebensprozess von „Sterben und Auferstehen in Christus“, der erst mit dem leiblichen Tod des Christen endet.
  • Die Erleuchtung durch die Taufe verpflichtet zur persönlichen Vertiefung des Glaubens und zur Weiterbildung des Glaubenswissens.
  • Dazu gehört auch eine ständige Besinnung auf die empfangenen Gaben des Geistes sowie die Bereitschaft zu Buße und Beichte.
  • Die Eingliederung in die Kirche befähigt und beruft zur Teilnahme am liturgischen und sakramentalen Leben der Kirche am Ort und der Gesamtkirche.

Die in der jeweils anderen Kirche vollzogene Taufe wird anerkannt. Daher ist eine Wiederholung der Taufe („Wiedertaufe“) nicht zulässig.

Die in einer bestimmten Kirche vollzogene Taufe verbindet als Eingliederung in den einen Leib Christi die Getauften miteinander.

Durch die Taufe wird der Mensch in eine konkrete Kirche aufgenommen.

Der Empfang des Heiligen Geistes, der alles schenkt und zur Einheit ruft, verpflichtet die Christen, alles zu tun, um der Bitte Christi an seinen und ihren Vater zu entsprechen: „Alle sollen eins sein: Wie Du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21).

Die Gemeinschaft der Getauften mit Christus nach dem Zeugnis des hl. Apostels Paulus

„Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus“ (Röm 6,3–11).

Die Sakramente (Mysterien) der Eingliederung in die Kirche